Verbittert. Nur ein paar Minuten.

Was war ich doch immer stolz darauf, dass ich mich gar nicht beklage so eine Krankheit zu bekommen. Und mich nie zu fragen, „warum“. Und „meine MS“ als „meine Verbündete“ anzusehen. Und und und. Ganz toll. Und unglaublich schmückend mit solch einer Krankheit umzugehen.

Aber soll ich dir mal was sagen? Ich finde alles scheiße! Und ich bin echt sauer so langsam.

Jetzt also doch; nur mal nachgefragt: Warum? Was soll das? Was soll die Scheiße denn bitteschön?

Eins nach dem anderen wird mir genommen — weg!

Meine Gesundheit. Mein Spazierengehen. Meine Beweglichkeit. Meine Wendigkeit. Meine Kraft. Spontanität und Spritzigkeit. Weg. Alles, was mich ausmacht erstmal schön weg machen. Ausradiert.

Dann mein Job. Weg. Machen wir uns doch nichts vor! Mein Job, wie er einmal war, ist weg! Das war doch das Erste! Ich direkt mal meinen hart und lange erkämpften Posten weggeschmissen! Fuck! Weg!

Und dann? Auto! Mein Auto! Was soll das denn noch?!? Fährt mir da‘n abgefuckter, seniler Oppa rein und haut mir meine Karre weg! Mein Auto! Neuwagen — mein erster Neuwagen. Und es wird wohl mein letzter bleiben, oder was!?

Tore auf für ein schönes Leben mit einer tollen Frau. Freier Weg für Familie, mit Kindern, mit Haus und dem ganzen Kram, wie jeder(..?) es sich wünscht. Aber dann? Weg! Alles weg! All die Träume — weg! Und ich hab jetzt auch noch die Schuld an den Hacken, meiner Frau, meiner großen Liebe, das Leben gleich mal mit ruiniert zu haben? Was Quatsch ist! Sich aber an manchen Tagen eben so anfühlt. Das bloße Gefühl – ob begründbar oder nicht – ist ja schlimm genug.

Also — was soll das? Bitte? Liebe whatsoever-Dimension über mir: Was soll die Scheiße!?!

Soll ich mir lieber gleich eine Kugel in den Kopf jagen? Dann belästige ich wenigstens nicht mehr die Welt da draußen mit meiner Existenz! Scheiß Existenz ist das! Jämmerlich und nutzlos und — ?

Still jetzt.

Ja. Verbittert. Das ist es, was ich bin. Darf ich es wenigstens mal sein, für ein paar wohltuende Minuten? Ich hab’ die Schnauze voll davon, mich heroisch dagegen zu stemmen. Dagegen anzukämpfen. Gegen das Verbittertsein. Warum denn bitteschön sollte ich nicht verbittert sein!? Einfach mal verbittert.

Sei’s drum. Bin ich’s halt.

Nur ein paar Minuten.

3 Kommentare zu „Verbittert. Nur ein paar Minuten.

  1. Warum nur ein paar Minuten? ;-)
    Du hast alles Recht der Welt verbittert zu sein!
    Du hast alles Recht der Welt Dir diese Fragen zu stellen!
    Und doch weißt Du auch, das es sich wieder ändert und die Sicht auf die Dinge einen anderen Fokus erhalten werden!
    Es gibt Momente da ist der Druck in einem so groß, das man das Gefühl des Platzens hat. Ich habe die Arbeit mit Anti-Stress Bällen angefangen als ich mit dem Rauchen aufhörte. Ein schöner Nebeneffekt dieser Bälle ist … sie hinterlassen keine Dellen an den Wänden, wenn Du verstehst :-D
    Farouk, nimm Dir die Minuten … sie stehen Dir zu :)
    Mein heutiger Spruch am Yogi Tee Beutel:
    „Die Schönheit Deiner Seele übertrifft alles – sie ist endlos.“
    In diesem Sinne,
    Herzliche Grüsse :)

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  2. Verbitterung ist niemals etwas, gegen das du dauerhaft ankämpfen solltest. Gefühle die du unterdrückst verschwinden nicht, sie werden stärker und stärker und am Ende ? Brechen sie doch aus einem heraus, egal wie heldenhaft man dagegen kämpft. Es ist okay schwach zu sein. Sich einmal in Bitterkeit oder was für einem Gefühl auch immer treiben zu lassen. Das wichtigste ist : nicht zu ertrinken. Denn ganz ehrlich, wenn wir niemals schwach wären, wie könnten wir überhaupt stark sein?
    Du hast deinen Weg gefunden , deinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, mein Rat: mach weiter. Jemand den ich kenne hat einmal zu mir gesagt, wenn man die ganze Zeit seine Tränen und Gefühle unterdrückt, das sind die Menschen die zu Amokläufern oder sonst etwas werden.
    Es ist beeindruckend und unglaublich stark von dir, dass du deine Krankheit so locker betrachten willst. Aber denk dran, nur weil du dir einmal erlaubst sie als das zu sehen was sie ist, eine Veränderung, eine Behinderung in vielen Dingen die dir wichtig waren ( und natürlich ist das aufwühlend) heißt das ja nicht, dass die Krankheit gewonnen hat und dich klein bekommen hat. Denn eins kannst du mir glauben Farouk, Du , bist ein großer Mensch. Egal was passiert und wenn du denkst Rest deines Lebens im Rollstuhl sitzen würdest, Du , bist groß.

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