Bedürfnis-Tanks (1/3)

Wer frühere Artikel hier in meinem Blog gelesen hat, dem wurde schnell klar, dass Arbeit einen großen Stellenwert in meinem Leben hatte. Immer schon und ganz gleich, welche Arbeit es war.

Angefangen bei meinem Zivildienst in der Betreuung behinderter Menschen (geistig und körperlich). Ob Nachtschicht, Ausflüge oder ganz normaler Alltag, ich hab das total geliebt da zu arbeiten, hat mir so viel gegeben, auch mal endlich mehr Sinn nach all den Jahren der Schule. (…lange her *räusper*)

Oder in meinem Studentenjob als Schrauber im Firmen-Netzwerk, also Computer-Netzwerk und so. Immer am Rumflitzen von einem Büro ins andere, einer Abteilung in die andere. Vom Büro der Chefsekretärinnen („aaaaahhhhh mein Drucker geht nich!!!!“) bis zur Admin-Insel in der Produktion (“rischten’s mei Combiuda widda her – sofoocht!!!“). Es war alles dabei – und es hat mir riesen Spaß gemacht! Und ich hab damals schon Überstunden geschoben (obwohl ich das ja mit dem Studie-Status gar nicht „durfte“…naja….egal….*räusper*).

Dann im Beruf und in der Selbständigkeit und jetzt in meinem aktuellen Job – immer habe ich meine Arbeit total geliebt, bin voll darin aufgegangen, habe für sie gebrannt. (Und natürlich, das birgt auch Gefahren. Wer für etwas brennt, brennt daran vielleicht irgendwann aus. Aber das ist ein anderes Thema.)

Was hat das aber jetzt mit meiner MS zu tun?

Durch meinen bisherigen Verlauf ist meine Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Problematisch ist viel Motorisches (Gehen, Stehen, Hände, Feinmotorik usw.). Aber auch kognitiv habe ich Themen (Konzentration, meine Fatigue).

Alles abhängig vom Zeitrahmen. Topfit und glasklar – aber nach gewisser Zeit erschöpft und trübe.

Und was hat das nun wieder mit Arbeit zu tun?

Wenn ich früher 9 bis 12 Stunden am Tag gearbeitet habe (ja, ich weiß, das ist auch gesund zu viel! *räusper*), schaff’ ich heute, wegen meiner MS, höchstens vier Stunden. Und die auch nicht durchgehend und am Stück.

Meine Arbeit war mir also so sehr wichtig und hat den wesentlichen Anteil meiner Tage eingenommen.

Und nu’ – isse weg!

Zumindest wesentlich reduziert. Geht einfach nicht mehr.

Da entstehen ja riesen Löcher!

Das habe ich erstmal unterbewusst zu spüren bekommen. Ohne das wirklich zu verstehen. Hat sich dann eher so in meiner Psyche bemerkbar gemacht. Hab’ mich schlecht gefühlt, nutzlos, mau und stumpf.

Vielleicht nennt man sowas Depression.

Wichtig ist das Einsehen!

Ja, hab’ ich erkannt.

Ich kenne andere MS-Betroffene, die auch so eine innere Leere erleben und dann gegensteuern, indem sie einfach noch mehr Gas geben, sich selbst und ihre (neuen) Grenzen ignorieren und einfach drüber brettern. „Scheiß’ auf mein Leben, Hauptsache mein Ego gewinnt!“

Ich möchte das nicht.

Was ist es, was mir fehlt?

Dieses Arbeiten und intensiv in einer Aufgabe wirken scheint ja für mich sehr wichtig zu sein. Immer schon. Warum? Es gibt mir was. Es erfüllt meine Bedürfnisse. Und Arbeit – so wie ich sie gelebt habe – kann eine ganze Menge, verschiedenster Bedürfnisse erfüllen. Meine Arbeit aber – ist weg.

Die Bedürfnisse bleiben!

Was tun, also? Wenn ich meine Bedürfnisse immer noch habe, ich aber meinen Job nicht mehr derart ausüben kann, dass ich meine Bedürfnisse damit befriedige – dann brauche ich Dinge, die ich tun, denken, machen usw. kann, die das übernehmen. Ok? Ok.

Welche Bedürfnisse hab’ ich denn?

Mit dieser Frage habe ich mich einige Zeit beschäftigt. Und es wird sicher auch länger andauern, bis ich mir diese Frage vollends beantwortet habe – wenn man überhaupt davon sprechen kann.

Aber mit dem Modell „Bedürfnis-Tanks“, das mir immer wieder in der Psychotherapie begegnet ist, versuche ich, mich dieser Frage zu nähern.

Bedürfnis-Tanks!

Was ist denn ein Bedürfnis-Tank? Und warum gleich mehrere? Was ich damit für mich erkannt habe und wie mir das hilft?

Im nächsten Beitrag beschreibe ich dieses Modell genauer.

Und jetzt seid Ihr dran :)

Ich habe in meinem Blog noch nie eine Frage an Euch Leser (m/w/d) gerichtet. Heute nehm‘ ich aber meinen ganzen Mut zusammen und mach’ das einfach – weil mich das total interessiert!

Welche Bedürfnisse habt Ihr?
Was ist es, was Euch im Leben antreibt und welche Bedürfnisse deckt Ihr damit für Euch ab?

Wer mag, in den Kommentar schreiben.

Und wenn Ihr einfach nur interessiert seid, wie das hier weitergeht, dann könnt Ihr ja stillschweigend auf „gefällt mir“ klicken.

Und wenn Ihr interessiert seid, und einfach gar nicht klicken oder schreiben möchtet, ist das auch ok.

:)

3 Kommentare zu „Bedürfnis-Tanks (1/3)

  1. ein toller intrag, und ja, ich bin sehr daran interessiert, wie es weiter geht. Über meine eigenen Bedürfnisse und wie die sich im Laufe deslebens gewandelt haben, muss ich aber erst mal nachdenken.

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