Warum trinke ich eigentlich so gerne Kaffee?

Kaffee erinnert. Der Duft von Kaffee erinnert mich an Wärme und Ruhe. In einem kleinen Zimmerchen am gedeckten Frühstückstisch. An einem Ende des Tisches ein kleines, altes Kofferradio, das leise und vom mäßigen Empfang verrauscht vor sich hin dudelt. Wird wohl das alte Telefunken gewesen sein.

Aus einer Zeit, in der die Großeltern etwas beim „Elektro-Clemens“ gekauft haben, was sogar ihre Enkel noch benutzen konnten. Weil man es eben so lange benutzte, bis es seinen Geist endgültig aufgegeben hatte oder die dritte Reparatur es auch nicht mehr retten konnte. Keine schreierische Media-Markt-Schnelllebigkeit.

Leise und friedlich war es immer gewesen an unserem kleinen Frühstückstisch. Bescheiden gedeckt. Ein Marmeladenbrot, vielleicht eine Scheibe Käse, wenn einem mal danach war.

Wir saßen am Tisch und sammelten die Gedanken für den kommenden Tag. Naja, was gab’s schon groß zu denken, „ab in die Schule, Hausaufgaben gemacht?“ Vielleicht noch die letzten Verse vom „Zauberlehrling“ wiederholen, damit das Gedichtvortragen nachher in der zweiten Stunde beim Lehrer Schlitter sitzt. Der war doch immer so streng.

Und der Duft von Kaffee.

Inzwischen — gibt es das alte Telefunken-Radio nicht mehr. Und mein Leben hat sich weit entfernt von dieser Ruhe und Unbeschwertheit. Und auch Kaffee riecht heute anders.

Frühstück geht heute so: Kühlschranktür aufgerissen, schnell ein paar Sachen gepackt und auf den Tisch geschleudert. Dann zum Kaffee-Vollautomaten, draufdrücken, der laute Motor der Mühle schallert durch den Raum, gaschumm-gaschämm-baschramm-schramm-schramm.

„Toll, wie schnell das heutzutage geht, ein Lob auf die moderne Technik! Der Perfekte Kaffee in Sekundenschnelle!“

Nur die Ruhe, für die ich ihn immer so geliebt habe, den Kaffee am Morgen, die hat er verloren. Wie vielleicht auch ich sie verloren habe.

Seit ein paar Tagen — hole ich mir ein bisschen Ruhe zurück. Ich mache meinen Kaffee nicht mehr mit dem Vollautomaten. Meine alte Handmühle nehme ich und mahle eine Hand voll Kaffeebohnen. Ganz langsam. Und schon bei dieser Bewegung entfaltet sich dieser wundervolle, warme Duft des Kaffees.

Dann in den Filter geben und aufgießen. In meinem altmodischen Porzellan-Filter, Größe 102. Ganz langsam und Tröpfchen für Tröpfchen.

Kaffee-Duft füllt den Raum und die Zeit bleibt stehen. Nur mal einen Moment innehalten.

Und dafür eigentlich, trinke ich so gerne Kaffee. Jetzt erinnere ich mich.

8 Kommentare zu „Warum trinke ich eigentlich so gerne Kaffee?

  1. Seine Ruhe beim Kaffe wiederfinden wie die alte Puppe auf dem Speicher… schön.

    Wenn uns bewusst wird, was wir in Unachtsamkeit haben gehen lassen, wenn das Vermissen bewusst wird, ist der Schritt ganz klein es wieder in das eigene Leben zu lassen :)

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  2. du sprichst mir aus dem herzen! schön, dass du dir diese ruhe wieder gönnst. und der kaffee schmeckt auch noch besser. ich wünschte, ich wär körperlich noch dazu in der lage und nicht auf hilfe anderer dafür (für’s kaffee zubereiten usw.) angewiesen. lieben gruss

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    1. Ja, liebe Kirsten, ich glaube, so ein ruhiger Moment (und wenn es nur eine Tasse Kaffee ist) kann einem das Gefühl von Lebendigkeit und „Glückempfinden“ geben – vielleicht sogar ganz gleich, wie man im Leben aufgestellt ist. Das wünsche ich Dir sehr, viele dieser Momente von einfach Glückempfinden.
      Liebe Grüße
      Farouk

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      1. danke für deine antwort, lieber Farouk!
        von mir selbst kann ich sagen, dass mir besondere glücksmomente glücklicherweise trotz meines gesundheitlichen zustands häufig noch vergönnt sind. sei es beim lesen oder beenden eines guten buches oder durch ein feedback online so wie deines eben, denn besonders dadurch fühle ich mich grad lebendig und nicht mehr völlig unsichtbar wie sonst in meinem stillen kämmerlein. wie das leben für mich wäre ohne internet, das möchte ich mir gar nicht vorstellen.
        mein dank an dich für den moment und auch für dich die allerbesten wünsche und viel kraft für deine zukunft! liebe grüsse,
        kirsten

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      2. Liebe Kirsten,
        ich hätte Dir gerne schon viel früher geantwortet, aber das war etwas schwierig bei mir die letzten Tage….
        ….ich kann und mag das nicht beurteilen, wie unsichtbar Du Dich in Deinem stillen Kämmerlein fühlst…aber ich schreibe Dir laut und deutlich und ich sehe einen – wenn auch sicherlich kleinen – Teil von Dir……so unsichtbar und still kann es vielleicht gar nicht sein….ich wünsche Dir viele gute Momente und ebenso viel Kraft für Deine Zukunft!
        Herzliche Grüße
        Farouk

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