Die Diagnose (Meine Geschichte Teil 3)

Ehrlicherweise muss ich zugeben: ich gehöre nicht zu den Menschen, die vernünftig sind und bei der Vermutung eines doch ernsteren „Wehwehchens“ zum Arzt gehen. Also ließ ich noch ein, zwei Wochen (vielleicht auch drei, vier) ins Land ziehen, bis ich dann tatsächlich den Weg zum Doc gegangen bin.

Es brauchte auch tatsächlich noch ein paar weitere eindrucksvolle, „beweisführende“ Situationen, die mich ganz klar und unmissverständlich ermahnten: „Farouk! Geh jetzt endlich zum Arzt!“

Die eindrucksvollste Situation erlebte ich beim Joggen. Joggen, ja. Ich bin eigentlich überhaupt kein Jogger. Ich fand „schnell laufen“ schon immer irgendwie anstrengend und ätzend und nochmal anstrengend.

Ich mag alle anderen erdenklichen Sportarten. Schwimmen, Radfahren, Liegestütze hahaha, was auch immer. Aber doch nicht Joggen!

Warum also packe ich meine Sportsachen mitsamt neu gekaufter Jogging-Schuhe und fahre mit dem Auto an den Waldrand, steige aus und fange an zu laufen?

Ganz klar, heute weiß ich warum: Ich wollte es nicht wahr haben! Diese Ahnung, die ich im Innern hatte, einfach nicht wahr haben! Auf Gedeih und Verderb und mit aller Gewalt meine Beine nach oben wuchten und einfach los laufen! Das wollte ich unter Beweis stellen.

Kann doch nicht sein, dass das nicht mehr gehen soll? Diese innere Stimme! Was soll denn das!? Ruhe soll sie geben! Natürlich kann ich joggen und laufen und durch die Luft hüpfen! Pferdchensprung? Kein Problem, schau doch her!

Aber mein Körper sagte: Nein. Meine Beine sagten: Nein.

Ich glaube, es waren 20 Meter. Vielleicht waren’s auch 50. Aber kein einziger der Schritte, die ich machte, fühlte sich gut und natürlich an.

Ganz ehrlich? Ich war richtig fertig an diesem Tag. Es war zwar kein Gefühl der Verzweiflung. Aber eine ganz eigenartige, tiefe, ungute Gewissheit.

Noch mehr, noch klarer und eindeutiger als die Gewissheit, die ich im letzten Teil schon beschrieben habe. Du erinnerst dich?

Meine ersten Verdrängungsstrategien nützten also nichts mehr.

Ich ging zum Arzt.

In der Sprechstunde habe ich meinem Arzt also meine Erlebnisse beschrieben. Völlig sachlich und ohne dass ich irgendeine Interpretation oder Befürchtung würde durchdringen lassen.

Dann sollte ich mich auf den Rücken legen. Er nahm einen Hammer in die Hand, so einen, mit dem man sonst die Reflexe am Knie prüft. Klopfte hier, klopfte da, Schulter, Brust, Arme, Beine.

Dann noch einen Sensitivitätstest mit so einer übergroßen Stimmgabel, „können sie die Vibration spüren? Sagen sie Bescheid, wenn’s weg ist.“

Ach und so ging das ein paar mal und ich habe brav mitgemacht.

Ich glaube, wo der Doc besonders aufmerksam wurde, waren diejenigen Tests, die irgendetwas mit meinen Reflexen zu tun hatten. Entweder das Ausschlagen war zu schwach oder viel zu stark und ohne, dass es von selbst wieder aufhörte.

An der Sache blieb er irgendwie dran. Das habe ich wohl gemerkt – nicht dass er dazu etwas gesagt hätte. Aber wie die Ärzte so sind – sie reden nicht viel. (Wer diese Erfahrung noch nicht gemacht hat, kann sich wohl glücklich schätzen.)

„Herr Martini, ich würde Sie gern ins MRT schicken. Machen Sie sich keine Sorgen. Das ist nur um irgendwelchen Verdacht auszuschließen.“

Okay. Ich also ins MRT.

Überweisung, Termin und dann hin. Gewartet auf den Termin habe ich so an die drei Monate.

Es war mein erstes MRT. Das erste Mal in der Röhre. Kannte ich nur aus dem Fernsehen. Vorher hatte ich natürlich alles darüber gegoogelt. Ich bin immer gerne vorbereitet.

Also, alles Metall abgelegt. Auf das schmale Liegebrett drauf. Und dann werde ich in die Röhre geschoben.

Mann – was war das eng!

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