Flecken in meinem Kopf (Meine Geschichte Teil 5)

Der Radiologe wollte mich insgesamt dreimal sehen. Die Aufnahmen mussten von drei verschiedenen ZNS-Abschnitten gemacht werden. „Das kann man nicht so in einem durch machen“, erklärte er mir.

Das liegt an der verschiedenen Konfiguration der MRT-Spulen. Die Messgerätschaft wird je nach Körperregion unterschiedlich eingestellt. Also z.B. eine Einstellung für die Wirbelsäule. Und eine andere Einstellung für die Messung im Schädel.

Also wurden es insgesamt drei Sitzungen. Dreimal MRT-Beat. ;-)

Angefangen bei der Lendenwirbelsäule (LWS). Dann zusammen in einer Sitzung Brustwirbelsäule (BWS) und Halswirbelsäule (HWS).

Ich war ganz froh und stolz auf mich, dass mir diese Begriffe grundsätzlich bekannt und vertraut waren. Hatte ich also doch immer gut aufgepasst im Biologie-Unterricht!

Schließlich: Schädel.

Und da waren sie. Flecken. In meinem Kopf.

In meinem Gehirn. „Läsionen“, erklärte mir der Radiologe.

Das seien Verhärtungen der Nervenzellen, die daraus hervorgehen, dass das Zellgewebe zunächst beschädigt wurde, dann aber bei dem Versuch der Regeneration nicht vollständig wiederaufgebaut werden kann.

Und an den Stellen, wo der Wiederaufbau eben nicht gelingt, bleiben verhärtete Gewebe zurück.

Notiz an mich: Aus diesen verhärteten Gewebe-Strukturen ist übrigens die Bezeichnung „Sklerose“ entstanden. (griech.: skleros – „trocken, starr“)

Noch eine Notiz an mich: Mit der besonderen Eigenschaft „multipel“ zu sein. (lat.: multiplus – „vielfach, zahlreich“)

Ich stelle mir das als zurückgelassenes, brüchiges Faser-Gerippe vor – wie bei einem ausgetrockneten Laub-Blatt im Herbst.

Im Sommer war es noch frisch und grün und elastisch. Doch dann im Herbst – so schön das herbstbraune Blatt auch sein mag – ist es doch ausgetrocknet und brüchig und starr. Und wenn du nicht Acht gibst darauf, wenn du es in Händen hältst, dann bricht es und zerfällt.

Für den Baum hat es keinen Nutzen mehr. So wirft er es ab.

Und ein bisschen so mag es sein mit meinen Nervenzellen. Brüchig und träge sind sie durch die Zerstörung, die da in mir so passiert. Sie halten nicht mehr mit bei der schnellen Signalverarbeitung im zentralen Nervensystem. Sie können das nicht mehr so gut.

Nutzlos für den Baum. Aber vielleicht ja auch – so wie das herbstbraune Blatt …

Schönes Wochenende <3

8 Kommentare zu „Flecken in meinem Kopf (Meine Geschichte Teil 5)

  1. Ich habe gerade den Fernsehfilm „Balanceakt“ im ZDF gesehen, und das MS Thema ging mir nicht aus dem Kopf. Jetzt habe ich dich hier gefunden und will garnicht aufhören zu lesen. Deine Beschreibungen und Erklärungen sind dafür gemacht, um es wirklich zu verstehen.Danke!

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