MS-Logbuch 29.03.2019 — vor der zweiten Infusion

Es ist zehn nach fünf in der Früh. Ich bin sehr spät ins Bett gegangen, so gegen 03:00 Uhr. Durchgeschlafen habe ich die verbliebenen zwei Stunden der Bettruhe dann auch nicht.

Gestern nach der Kortison-Infusion bin ich sehr aufgedreht gewesen. Gar nicht schlimm mit Bluthochdruck oder so. Einfach innerlich unruhig und aufgebracht.

So wie damals als Schüler vor einer Mathe-Klausur, auf die ich mich mal wieder nicht genügend vorbereitet hatte. Und dann der Moment, der nicht enden wollend scheint, wenn der Lehrer die Aufgabenblätter austeilt. Und dir der Puls bis zum Kinn hoch pochert und dir ganz schwindelig wird vor Aufregung. Vielleicht sogar vor Angst. Bis du endlich den blöden Zettel in der Hand hast und alle Aufgaben einmal im Schnelldurchlauf durchgegangen bist, um dich zu versichern: „Ach, so schlimm ist es ja doch nicht. Die Lücken beim Lernen mal wieder richtig gewählt, zwei Drittel hab’ ich auf jeden Fall in der Tasche!“ — Gefühl des Aufgebrachtseins aus. —

Ja. So in etwa. Vielleicht kannst du dich in dieses oder in ein etwas ähnliches Gefühl versetzen: Und das hatte ich gestern den ganzen Tag über, bis tief in die Nacht.

Und jetzt in diesen frühen Morgenstunden auch noch.

Das sind sie, die unerwünschten Wirkungen des Kortisons. Mal tritt das stärker auf, mal weniger. Vielleicht liegt es dieses Mal auch daran, dass die Infusion gestern ziemlich zügig durchlief. Heute werde ich meinen Doc bitten, den Tropf etwas langsamer einzustellen.

Seit der Infusion gestern bin ich nur noch am Trinken, Wasser. Eine Flasche nach der anderen ziehe ich mir hier rein. Völlig de-hydriert, so komme ich mir vor. Auch dies eine unerwünschte Wirkung. Ich denke, wenn ich ausreichend für Wasser sorge… — auch nicht weiter schlimm.

Übrigens: Von der positiven, der erwünschten Wirkung des Kortisons spüre ich noch nichts. Das kam bei mir aber auch nie so spontan. Das braucht ein paar Tage.

Kortison wirkt ja auch sehr lange nach. Über Wochen, erklärte mir einmal eine Ärztin im Krankenhaus. Die drei Tage der hohen Dosis seien einfach nur, um diese großen Mengen in den Körper zu kriegen. Dann erst fange das Kortison damit an, seine entzündungshemmende Wirkung ganz zu entfalten.

Jetzt etwas frühstücken, eine Kleinigkeit und viel Wasser und eine Tasse Kaffee.

Dann bereite ich mich vor — für die zweite Infusion.

2 Kommentare zu „MS-Logbuch 29.03.2019 — vor der zweiten Infusion

  1. Lieber Farouk, gönn dir trotz innerer Unruhe Momente der Gelassenheit, um das Kortison im Körper zu verteilen – mir hat das Bild vom Spaziergang vorne im nassen Sand geholfen. Dann sieht man den Ort, wo das Meer den Horizont trifft. Da kehrt Ruhe ein… Lg von Annette (wir saßen uns im NTC gegenüber)
    🍀 für Nr 3

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