Dankbarkeit, Bedeutung, Verbindung

Für mich der Beginn einer neuen Zeit. Der Beginn dafür, mein Leben in einem anderen Licht zu sehen und die Dinge neu für mich zu ordnen – schrieb ich vor einigen Monaten dies hier:

Und nun ist sie da. Meine MS. Fakt. Und sie zwingt mich – und gibt mir gleichzeitig die Rechtfertigung(!) – zu Verändern. Anzupassen. Neu zu sortieren. Neu zu bewerten. Mich neu zu sehen. Das Leben neu zu verstehen. Mein Leben anders zu leben.

Tja. Und was ist heute?

Mein Leben anders leben. Anders verstehen. Hm. Und? Ist mir das gelungen? Bis hierher?

Na gut, ja, ich habe viel verändert. In meinem Leben, an meinem Alltag. Das will ich gar nicht bestreiten.

Ernährung, neu. Tagesrhythmus, neu. Arbeitszeit und Freizeitausgleich (Neudeutsch: Work-Life-Balance…bla), viel besser ausgeglichen. Gymnastik und Sport, viel mehr als je zuvor. Sogar in der Meditation fühle ich mich jetzt zu Hause.

Also: Bewegung, Ernährung, Mentalität. An allen dreien geschraubt, verbessert, neues Bewusstsein entwickelt. Ziemlich gut. Allein das ist ja schon ziemlich gut, hätte ich gar nicht so von mir erwartet, wow, so viel an „Mehr“ geschafft — bin beeindruckt! (zwinker)

Aber irgendwie…fehlt mir was. Immer noch.

Es ist wohl: Wert. Sinn? Es ist Bedeutung. Bedeutung, die dieses Leben hat. Haben soll? Mein eigenes und unser aller Leben.

Und vielleicht auch gar nicht nur Bedeutung des Lebens an sich, sondern Bedeutung dessen, was über das Leben hinausgeht. Das Leben ist zwar das, was jetzt zählt, aber vielleicht ist es ja gar nicht alles.

Nicht?

Mehr und mehr glaube ich, es kann nicht nur darum gehen, mein Leben zu führen. Meinen Alltag zu überstehen. Meine (oder anderer) Wünsche zu erfüllen, Ziele zu erreichen, Herausforderungen zu meistern und irgendwie möglichst unbeschadet am Ende des Lebens anzugelangen. Oder glücklich zu sein bis ins hohe Alter — wie man das auch immer sehen mag.

Es gibt etwas darüber. Oder? Etwas, was mehr ist als all das. Mit mehr Bedeutung. Einer anderen Bedeutung. Überhaupt einer Bedeutung?

Bedeutung.

Zu viele Fragen, zu wenige Antworten. Oder vielleicht gibt es zu allen Antworten nur eine Frage — oder auf alle Fragen nur eine Antwort?

Ich brauche wohl noch Zeit zum Nachdenken.

Und heute, an diesem Ostersonntag, da nehme ich mir Zeit. Zeit zum Nachdenken. Zum Fragen. Zum Zweifeln. Zum Finden. Zum Sehen und zum Übersehen. Zeit für uns. Zeit für mich. Zeit für …

Zeit für das, was uns verbindet.

Foto: Farouk Martini – „Menschen, verbunden.“

Mutig – Wachsam – Mitfühlend

10 Kommentare zu „Dankbarkeit, Bedeutung, Verbindung

  1. Bonjour Farouk,

    „Gib deinem Sinn Leben“, Anregung meiner Kunsttherapeutin in der Reha 2018.

    Bunte Ostern, an Alle!
    Lg Annette

    PS: ups, wollte ein Foto beifügen… ach, seht halt das Gras und die bunten Eier …. ganz lebendig…;-)

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  2. Lieber Farouk,

    Teil 2

    Da ist bereits soo viel. Du hast wunderbare Instrumente: deine Musik, deine Stimme, Worte, Bilder, Inspiration, Mut & Suche….

    Mein Credo: ich liebe es, der MS Namen zu geben:
    MS … mach’s selber z.B.

    Und die Antwort im Leben ist immer: Liebe

    Oster ist Auferstehung

    Überall, jeder – so wie wir können und wollen

    Annette

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Farouk,
    ich habe mit 36, Karfreitag 2006, meine Diagnose bekommen. Wie Du auch habe ich an einigen Dingen ‚gedreht‘. Sport, Stress, Beruf, Ernährung – vor allem nicht mehr Rauchen. Seit dem bin ich subklinisch. Zum Neurologen gehe ich derzeit nur zur Kontaktpflege, ich könnte ihn ja mal brauchen. Die ersten Jahre habe ich COP gespritzt. Ich glaube sogar, dass mir das am Anfang als Anker etwas gebracht hat.
    Meine Erfahrung ist, dass je gesünder ich wurde, desto öfter schlichen sich wieder meine alten impulsiven Muster ein. Ich rege mich gerne und viel zu viel auf. Die MS hat mir am Anfang mehr Demut vermittelt. Das ist alles unglaublich komplex. Die Psyche und MS, da sehe ich schon einen großen Zusammenhang, aber ich vermeide es das esoterisch zu sehen. Ich persönlich suche nicht mehr den Sinn des Lebens, sondern beschränke mich darauf für mich (und mit meiner Frau) einen Weg zu finden, gut und mit Freude alt zu werden. Harmonie und Respekt sind mir unglaublich wichtig. Das finde/empfinde ich immer weniger. Dazu benötige regelmässig ich Sonnenlicht für mein Wohlbefinden. Zusammen wird uns das wohl dazu bringen uns einen neuen Lebensmittelpunkt zu suchen. Das sind die Gedanken, die mich derzeit bewegen. Immerhin gibt und gab mir die MS die Freiheit neu zu denken und mehr Mut Dinge zu ändern.
    Ich wünsche Dir alles Gute,
    Andreas

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    1. Hallo Andreas,

      „Immerhin gibt und gab mir die MS die Freiheit neu zu denken und mehr Mut Dinge zu ändern.“

      In diesem Satz von Dir steckt so viel drin, was ich auch bestätigen kann und wo ich mich sehr wiederfinde.

      Das ist auch ein bisschen, wie Du es schon schreibst die Demut, die auch meine MS mir gibt.

      Die alten Muster, die sich immer wieder einschleichen können, gerade dann, wenn es einem besser geht und man die MS fast vergisst oder verdrängen kann, das kenne ich auch. Das ist irgendwie tückisch. Naja…Übung macht den Meister… ;)

      Vielen Dank für Deinen Beitrag hier!

      Ich wünsche Dir (zusammen mit Deiner Frau) auch alles Gute!

      Farouk

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  4. Hallo Farouk,
    ganz bestimmt gibt es ein „darüber“ und ein „mehr“.
    Könnten wir das mit unserem begrenzten Verstand überhaupt erfassen? Wir bekommen es ja nicht mal auf die Reihe, mit dem, was unser Verstand hergibt, in Frieden und in Einklang mit anderen Menschen und der Natur zu leben.
    Zumindest glaube ich, dass wir Menschen nicht die Krone der Schöpfung oder der Mittelpunkt des Universums sind. Wir sind ja noch nicht mal in der Lage zu bestimmen, wie groß das Universum überhaupt ist und ob die Frage nach der Größe des Universums überhaupt die richtige Frage ist, um dessen Ausmaß bzw. Bedeutung zu erfassen.
    Und haben nicht schon zu viele Menschen das Wort „genug“ aus ihrem Wortschatz gestrichen; muss es immer ein „mehr“ sein?
    Schöpfen wir alle Möglichkeiten aus um aus dem, was wir haben, etwas gutes/sinnvolles zu machen, oder gibt es da vielleicht noch unentdeckte Reserven und Potential, das wir nur nicht nutzen, weil der Verstand nicht immer dafür reicht?
    Ich weiß das alles nicht und kann schon mal gar nicht allgemeingültige Antworten geben. Ich kann aber manches nur für mich beantworten und versuchen, mit dem, was ich habe, zufrieden zu sein. Das ist schon schwer genug und fordert mich jeden Tag mal mehr, mal weniger heraus.
    Viele Grüße und Dir noch eine schöne Woche
    Rolf

    Gefällt 2 Personen

    1. Und haben nicht schon zu viele Menschen das Wort „genug“ aus ihrem Wortschatz gestrichen; muss es immer ein „mehr“ sein?

      Hallo Rolf,

      vielen Dank für Deine Gedanken!

      Ja, ich glaube, Du hast Recht. Es sind vielleicht gerade die „kleinen“ (und eben nicht die allgemeingültigen) Antworten, die uns viel mehr sagen als das „große Bild“.

      Zufriedenheit mit dem „Genug“ – statt immer nur das „Mehr“ ist vielleicht das, was uns glücklicher machen kann. Das sehe ich genau so wie Du es schreibst.

      Einen guten Start in die Woche wünsche ich Dir!

      Viele Grüße

      Farouk

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