Resilienz – haha blabla

Re|si|li|enz – Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen (Duden)

Baum meiner Jugend
Baum meiner Jugend

Das Leben ist Veränderung. Und es ist wichtig, dass man Veränderung annehmen kann. Je mehr Veränderung man annehmen und je besser man damit umgehen kann, umso unerschütterlicher und letztlich lebendiger wird man.

Davon bin ich überzeugt. Danach lebe ich.

Veränderung habe ich so viel gehabt im Leben, Veränderungsprozesse, in kurzer Zeit, oder in die Länge gezogen, existentiell und bedrohlich (geschäftlicher Bankrott oder Bürgerkrieg oder, da haben wir sie wieder, meine MS). Oder ganz profan; unschöne Beziehungstrennung nach Jahren des gemeinsamen Glücks. (Das’ lange her, ich hab’s überstanden, geil!)

Aber reicht es nicht irgendwann?

Mir scheint, ja. Oder stell’ ich mich nur an?

Resilienz – das ist doch der letzte Schrei, das neueste Bullshit-Bingo-Buzzword. Jeder weiß um ihre Notwendigkeit, jeder will sie haben. Und wer noch nicht resilient ist, der lässt sich coachen. Mit einem guten Coach oder vielleicht einem Gruppen-Seminar am Wochenende, wenn man sich die Einzelbetreuung nicht leisten kann, wird das schon.

„Dein Leben gefällt Dir nicht? Läuft alles scheiße? Du kriegst nur in die Fresse? Hör’ auf, Dich zu beschweren und zu beklagen. Komm’ einfach klar damit. Das wird schon wieder. Und wenn doch nicht, dann ist das eben so. Na und? Anderen geht’s ja noch beschissener. Und wenn dir grad niemand einfällt, dem es noch schlechter geht als dir, dann denk doch einfach an die hungernden Kinder in Afrika. Also, jammer’ nich’ rum!“

Schluss damit! Halt’ die Klappe.

Also gut. Wieder zurück. In die Einsamkeit. In die Alleinstellung. Alleinsein.

Ich kann sie alle schon wieder hören. Ja, wie immer. Na und?

Ich zieh mich zurück. In meine ganz private Resilienz-Zone. Allein geht alles besser. Widerstandskraft, die brauche ich jetzt, noch mehr und mehr denn je. Kann euch nicht dabei gebrauchen. Kraftabsauger dieser Welt.

Das sind Gedanken, die ich habe, wenn ich mich ganz unten fühle. Wenn Resilienz nur ein Wort ist und sonst nichts zählt.

Und wenn ich meine Gedanken, so wie jetzt, nachlese – denn ich habe sie ja vor Tagen aufgeschrieben – dann erschrecke ich vor mir selbst, schäme mich dafür vor mir selbst?

Aber so ist das. Und alles wieder gut. Verzeih’.

Resilienz, in meinen Augen, nein, sie ist keine Fähigkeit.

Resilienz ist der unerschütterliche Glaube daran, dass man es überstanden haben wird. Irgendwann. Ganz gleich, wie schlimm es jetzt ist.

Und die Genugtuung, dann stärker geworden zu sein.

Und die zufriedene Gewissheit, dass der Blick auf die Welt wieder ein bisschen klarer ist.

6 Kommentare zu „Resilienz – haha blabla

  1. Tage an denen die Wolken wie schwere, schwarze Steine drohend über uns Menschlein hängen. „Resilienz“ also! Alles nicht weiter schlimm, denn der nächste Tag könnte uns fliegende Elefanten bescheren und wir uns allesamt kullernd vor Lachen am Boden wieder treffen :)

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