Reich beschenkter Langweiler

Am Wochenende hatte ich wenig Zeit, mich mal hinzusetzen und in Ruhe zu schreiben. Irgendwie paradox, aber so ist das bei mir ganz oft. Unter der Woche bin ich anders organisiert, ich würde sagen „ego-zentrischer“. Am Wochenende ist mehr „Familie und Freunde“-Kram.

Das ist etwas Schönes, keine Frage.

Aber ich spüre doch – also mir wird immer mehr klar – wie sehr ich auf meinen ritualisierten Tagesablauf geradezu angewiesen bin.

Früher habe ich das ein wenig belächelt (nicht herablassend, sondern eher unverständig), wenn Menschen einen sehr starren Tagesablauf haben.

Frühstück, Zeitung, Kaffeepause, dies und das. Von einer Station zur nächsten durch den Tag. Bis hin zum letzten Handgriff ans Nachttischchen; ‚knips‘ – Licht aus.

Gefällt mir aber irgendwie. Heut’ weiß ich das zu schätzen, vermag es anders zu sehen.

„Langweiler“, habe ich früher gedacht. „Täuschen sich selbst Sicherheit vor, indem Unveränderliches immer wieder konstruiert wird.“

Nach diesen kurzen Gedanken bin ich natürlich geneigt so etwas zu schreiben wie, „jetzt, wo ich viele Dinge anders sehe, erkenne ich endlich, dass so ein ritualisierter Alltag gar nicht so langweilig ist. Und einem das Gefühl von Sicherheit zwar vorgaukelt aber – den Zweck heiligend – doch spürbar verrmittelt.“

Mach’ ich aber nicht.

Es fühlt sich anders an, nämlich: ich gestehe es mir zu, Langweiler zu sein. Mich nach Sicherheit und Festigkeit zu sehnen.

Meine Sachen, meine Orte, meine Rituale. Wiederkehrendes ist nicht gleichbedeutend mit Eintönigkeit und Tristesse.

Wiederkehrende und ritualisierte Momente sind Wertschätzung dessen, was für einen da ist. Geschenke, die man nicht wie ein kleines, ungeduldiges Kind auspackt und, das nächste schon in der anderen Hand, gleich wieder wegwirft.

Sondern annimmt.

Gut, dass ich das jetzt kann.

5 Kommentare zu „Reich beschenkter Langweiler

      1. …. ich knipse auch gleich meine Nachttischlampe aus🌌😇… vorher kommt noch ein bisschen Lavendelöl auf die Stirn und meine Schlafbrille in Position gebracht…dann heißt es Buona notte 🌃…

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  1. der Vergleich mit dem ungeduldigen Kind, das seine Geschenke auspackt und gleich nach dem nächsten greift, ist sehr enprägsam. es ist, scheint mir, eine Ungeduld des modernen Menschen, hervorgerufen durch die Geschwindigkeit, die alle Lebensvorgänge befallen hat: Konsum, Arbeit, Entertainment, Transport, Urlaube, Moden, ja sogar die Beziehungen, die sich immer schneller aufzubrauchen scheinen ….. Schneller und schneller dreht sich das Karussel auch der technologischen Neuerungen …

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