Warum Schreiben mir gut tut

Schreiben, so wie jetzt, das tut mir gut. Ich habe jetzt auch verstanden warum:

Mein Kopf ist immer voll! Heerscharen an Gedanken, die jeden Morgen anrücken, mal im Gleichschritt, mal kreuz und quer und völlig chaotisch. Das wird manchmal richtig laut in meinem Kopf. Manche von ihnen bringen mich zum unaufhörlichen Nachdenken. Manche beunruhigen mich sehr, einige nur ganz leicht. Und manche schreien und zetern auf mich ein, wollen von mir gehört werden, ringen um Aufmerksamkeit, fordern mein Verständnis.

Sie alle, alle diese Gedanken, meinen es sicher gut und sie haben alle einen guten Grund, sich einen Platz in meinem Kopf zu reservieren. Sie alle sind irgendwie wichtig. Jeder Gedanke für sich und alle zusammen für mich.

Doch durcheinander und alle zusammen sind sie einfach nur laut – und bewirken nichts. Außer Unruhe in meiner Seele und Lärm in meinem Kopf.

Wenn ich schreibe, hier an meinem kleinen Laptop sitze und tippe dann wird alles koordiniert. (Mit der Hand auf Papier geschrieben wäre es möglicherweise noch besser, vielleicht aber auch nicht.) Alles ordnet sich. Die Heerscharen der Gedanken stellen sich in aller Ruhe auf. Jeder von ihnen kann sprechen, kann seinen Inhalt vortragen. Aber nicht der Lauteste ist dann mehr im Vordergrund, sondern der, der etwas Wertvolles und Wichtiges in sich hat. Sei er noch so klein und noch so leise.

Denn allen ist jetzt in diesem Moment klar, es gilt ein Ziel: das leere, weiße Blatt zu füllen. Und allen ist klar: ich brauche ihre Hilfe. Ich tippe ja nur. Sie sind es, die mir helfen etwas auszudrücken. Dafür bin ich sehr dankbar.

Und wenn sie das tun, mir helfen, dann lassen sie sich gegenseitig ausreden. Sie lassen die Stimme des jeweils anderen Gedanken zu und geben einander Zeit sich in Worten auszuformen.

Sie lassen sich Zeit. Sich selbst und untereinander geben sie sich Zeit.

Und wer Zeit gibt, lässt Ruhe entstehen.

Und so wird Ruhe in meinem Kopf.

Wenn ich schreibe – ist Ruhe.

13 Kommentare zu „Warum Schreiben mir gut tut

  1. Das kenne ich sehr gut! Schreiben sortiert mich. Manchmal schicke ich zu laute Gedanken in den Garten. Dort müssen sie warten, bis sie dran sind. Ab und zu funktioniert das sogar ganz gut.
    Liebe Grüße an Dich und Deine Inneren Stimmen! Regine

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  2. gefällt mir, dies Bild: dass die Gedanken nun brav darauf warten, bis sie dran sind, und wenn sie nicht dran sind,den anderen zuzuhören. Das geht tatsächlich besser beim Schreiben als beim Nur-Denken. Ich tus am liebsten beim Reden, dafür brauch ich nicht unbedingt einen Zuhörer, es geht auch als Monolog. Mit Zuhörer ist es allerdings spannender, besonders, wenn der etwas zu dem Gedanken beiträgt, der grad dran ist, und nicht mit eigenen Gedanken dazwischenfährt. ;)

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  3. Das hast du wunderbar beschrieben. Ja diese Gedanken. Manchmal muss sie anbinden, damit sie nicht wild im Kopf herum galoppieren. Da ist Schreiben ein wichtiges Instrument. Meditation ist auch wichtig. Einfach hinsetzen und bis zehn zählen. Dann wieder von vorne beginnen und die Gedanken dürfen unbeachtet vorüberziehen. Wenn das gelingt, ist es ein sehr beglückender Zustand. Es stellt sich Leere und pures Sein ein. Ich wünsche dir weiterhin gutes Gelingen. Maria

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    1. Danke für Deine Wünsche, liebe Maria – und für Dein Lob. Ja, manchmal ist das Schreiben nah am Gefühl einer Meditation, die beiden liegen nah bei einander. Die Technik in diesen „beglückenden Zustand“ (wie Du es nennst) zu gelangen ist wohl nur eine andere.
      Liebe Grüße an Dich!

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  4. Schreiben ist eine wunderbare Sache, befreiend, erfüllend und vieles mehr. Du hast dieses Jahr so viel erreicht – du wirst im nächsten Kalenderjahr weitere großartige Dinge in Bewegung setzen. Alles Gute.

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