Erste Gehversuche auf zwei Rädern

Das Thema Rollstuhl beschäftigt. Spätestens, seit ich die Diagnose MS bekommen habe. Warum? Weil, das irgendwie eins der Ersten ist, was man so klischeehaft serviert bekommt. „Als MS-Patient landest du früher oder später im Rollstuhl.“

Tja. Ein Damoklesschwert? Die ultimative Lebenskatastrophe? Der endgültige Stillstand? Alles aus?

Warum eigentlich? Ich geh’ da nicht mit. Ich habe, schon nach meiner ersten Reha, für mich entschieden, ich schaffe mir so einen Rollstuhl an. Ob ich ihn unbedingt brauchen würde oder nicht. Natürlich war eine gewisse Notwendigkeit schon „angezeigt“ aber nicht akut. Ich kam ganz gut aus mit meinem Gehstock.

Aber – ich bin immer gerne vorbereitet. Also habe ich mir einen sog. Aktiv-Rollstuhl verordnen lassen („Aktiv“, weil anders konstruiert als Rollstühle, die man aus der Pflege oder aus dem Krankenhaus kennt). Seither habe ihn zu Hause stehen. Hie und da schonmal auf Spaziergänge mitgenommen und auf Urlaubsreisen.

Ich will das gar nicht bagatellisieren, es hat mir anfangs wirklich zugesetzt. Mein Ego völlig durcheinander gebracht. Meine Identität ist geprägt durch spontanes durch die Welt tänzeln – könnte man glaub’ ich sagen. Sowohl beruflich als auch in meinem Hobby (Musik und Bühne) bin ich immer so viel hin und her, von links nach rechts, springen, hüpfen, aus der Hüfte und aus der „Lameng“ – und nun? Rollstuhl.

Erstmal blöd. Vor Allem die Sache mit dem „aus der Hüfte“ ;-)

Naja. Darum setze ich mich mal lieber früh damit auseinander. Die Sache mit meiner Identität und Psyche nagt noch etwas an mir, aber es wird.

Und die Sache mit der Beweglichkeit und Agilität – der begegne ich damit, dass ich ausprobiere, übe, experimentiere. Ich habe mich einer Rolli-Sport-Gruppe angeschlossen. Die richtige Technik, wie bei so vielen Dingen im Leben, ist entscheidend. Und dann üben, üben, üben. Fast wie Fahrradfahren-Lernen.

Und dann natürlich: Einfach Spaß haben dabei! Und da ist das für mich so, ich traue mich das fast nicht einzugestehen bzw. vor Unbeteiligten zu äußern, die einen so entsetzt anschauen, „schau’ mal, der Arme, sitzt im Rollstuhl“ und so…

Jedoch, ich sag’ es wie es für mich ist: ich hab’ da richtig Spaß dabei! In der Turnhalle aber auch bei Spaziergängen (heißt das eigentlich dann auch noch Spazierengehen; ist immerhin immer schon mein Hobby gewesen; oder muss ich jetzt immer Spazierenfahren sagen?!?)

Naja. Technisch befinde ich mich noch am Anfang. Ich dachte, ich lege mal ein kleines Video hier mit dran … für alle, die es interessiert.

Ich – für mich selbst – habe mir gesagt: ob du den Rollstuhl brauchst oder nicht, jemals brauchen wirst oder nicht: nimm‘ es als neue Technik der Fortbewegung auf. Und besser, ich beherrsche sie jetzt schon – als wenn es vielleicht später einmal schwierig wird, es gar nicht mehr anders geht. Naja, das ist zumindest meine ganz persönliche Haltung dazu.

5 Kommentare zu „Erste Gehversuche auf zwei Rädern

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