Die Sache mit London

Zeitsprung – Ende des letzten Jahres:

Ich neige zum Aufschieben. Stichwort Prokrastination. Es ist so: seit wir uns kennen, haben wir ins Auge gefasst, eine Reise nach London zu machen. Eine schöne Stadt, mit schönen Gebäuden, schöner Sprache, einer Geschichte. Genau unser Ding.

Vor ein paar Tagen sprachen wir wieder darüber. Das Jahr geht ja wieder seinem Abschluss entgegen, Urlaub haben wir leider keinen mehr. Also, wie immer: „Machen wir dann bald.“

So war das die ganzen letzten Jahre. Und wie das so ist: „nachdem wir dies und das gemacht haben, dann fliegen wir“ oder „vorher sollten wir jenes aber noch tun“ oder „jetzt passt es grad nicht so gut, wir haben das andere noch vor uns, aber dann.“ …

Also gut, dieses Muster also. Und, schwupps, ist ein Jahr auf’s andere vergangen. Ja, wir sind gereist, haben dies und jenes gemacht und unternommen, alles gut, alles schick. Aber in London – waren wir nicht!

Was für ein Quatsch, oder? Mach ich nicht mehr. Und das ist wirklich etwas, was mir meine MS mit auf den Weg gibt. „Mach’ deine Sachen – jetzt!“ „Schieb es nicht auf!“ „Wer weiß denn, ob Du in drei Monaten noch einen Fuß vor den anderen setzen kannst?“

An diesem Tag, heute, kann ich Dinge erleben, die mich glücklich machen. Und heute kann ich tun und etwas unternehmen, was auch andere glücklich macht. Ein schönes Erlebnis. Ein gutes Gefühl. Und das nicht morgen, sondern heute und jetzt.

Dass ich jetzt hier in dieser Gegenwart angekommen bin, das nehme ich wirklich als Geschenk meiner Krankheit an. Das ist für mich ein Gegenpol für das, was die MS für mich schwieriger gemacht hat. Und oft schwindet meine Kraft und Hoffnung und Mut, ja. Aber dieses Einstehen für das, was mir wichtig ist und nicht, immer nur dem zu folgen, was andere von mir erwarten – das verstanden zu haben und die Freiheit begriffen zu haben danach zu leben – das ist ein Geschenk. Vielleicht zum Preis von Ängsten und dem Verlust der körperlichen Kräfte. Mag sein. Aber ich möchte fast behaupten: das ist es mir wert!

Noch in der Nacht, nachdem wir (wieder einmal) darüber sprachen, dass wir im nächsten Jahr irgendwann sicherlich nach London fliegen würden, setzte ich mich an mein Laptop und buchte einen Trip nach London.

Gestern – und eben nicht nächstes Jahr irgendwann – kamen wir zurück. Und es war toll.

2 Kommentare zu „Die Sache mit London

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