Was hat Corona mit meinem Glauben zu tun?

Heute in unserem Supermarkt
Heute in unserem Supermarkt

Ich finde die Art der Medienerstattung entsetzlich und es grenzt alles meiner Meinung nach an Panikmache. Ich bin im Innern aber ganz entspannt und werde dieser Angstmache nicht folgen.

Dennoch, die Ernsthaftigkeit ist auch bei mir angekommen, natürlich. Und ich schaue dabei nur noch von Tag zu Tag. Wer weiß, was nächste Woche sein wird.

Als MS-Patient gehöre ich sowieso schonmal in eine Risikogruppe, keine Ahnung welche genau, irgendein Profil wird schon passen.

Außerdem bekomme ich MS-Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen. Und zwar so, dass es nicht mehr so aktiv ist. Da haben Viren leichtes Spiel.

Ich glaube, es würde unserer Würde als Menschen ganz gut tun, wenn wir nicht blind-hysterisch in unsere heiligen Konsumtempel hetzen würden, um Mehl und Toilettenpapier panisch in unsere Einkaufstaschen zu stopfen und schnell in unsere kleinen Heime zurück eilen, um uns vor der Welt (oder vor uns selbst) zu verstecken.

Und wieso eigentlich Mehl? Und wenn es das ist, was uns in ernsten Krisensituationen in unserer Gesellschaft so sehr umtreibt: Klopapier…wenn es das nur ist!?!? Ok…

Die Supermärkte hier bei uns in der Gegend haben am Ende des Tages nichtmal mehr Restbestände, die normalerweise an die Tafeln gehen. Alles weg. Alles gehortet, irgendwo in einem gutsituierten Haushalt, der noch mehr anhäuft als das viele Nochmehr, das er sonst so auf Lager hat.

Ich bin auch nur ein Mensch und schwach und dumm und klein. Aber muss das jetzt so sein? Müssen wir jetzt so? Woher diese Angst eigentlich? Das ist wie: Wassermassen schießen in die Decks der sinkenden Titanic. Aber jeder ist sich selbst der nächste und trampelt alle anderen nieder auf seinem Weg ins Rettungsboot. Oder etwas aktueller: das entsetzliche – weil menschliche – Unglück der Loveparade im Tunnel in Duisburg.

Ich weigere mich. Mach ich nicht. Ist doch scheiße. Lächerlich und ganz schön arm. Das kann es doch auch nicht sein, was unsere Zivilisation, unsere Kultur, unsere Religionen, unser Glaube übrig lässt, wenn die Lage mal so ein bisschen schief hängt.

Oft erlebe ich es doch so: Wenn ich mal im Dialog mit jemandem fallen lasse, dass ich an Gott glaube (ich mach das nur ganz selten und auch nur, wenn es den Kontext besser erklärt) dann bekomme ich oft ein „nee….also das ist ja überhaupt nichts für mich…“ und was auch immer dann noch kommen mag, immer untermalt mit einem fast mitleidigen Schmunzeln. Ein Belächeln meiner ach-doch-viel-zu-kindlichen Sicht der Weltordnung, wo ich doch besser wissen müsste, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und sowieso die Wissenschaft über Allem steht und „ich will nix glauben, ich muss wissen“ usw. bla.

Heute im Supermarkt, da konnte man dieses Schmunzeln vielleicht auch mal in meinen Augen sehen. Wenn man genau hingesehen hat. Mitfühlendes Schmunzeln. Beim Erwidern der Blicke dieser Wesen, die in Angst und peinlicher Heimlichkeit ihre Einkaufswagen voller Mehl und Klopapier hinter sich herschieben, wie die diebischen Elstern in einer Fabel aus dem vorvorletzten Jahrhundert.

Und das – nee…also das ist überhaupt nichts für mich.

Ach ja, meine Frage vom Beginn: Nein, Corona hat nichts mit meinem Glauben zu tun. Aber mein Glaube hilft mir zu vertrauen. In Gott zu vertrauen. Und, dass die Dinge sind, wie sie sind. Und vielleicht sollen sie so sein. Ich fühle mich geschützt. Geschützt vor der Angst. Und vor Allem, geschützt davor, dumm zu sein. Und geschützt davor egoistisch zu sein und nur an mein eigenes Mehl, mein eigenes Wohl zu denken und alle anderen außer Acht zu lassen. Zumindest so sehr ich kann.

Ich wünsche allen Menschen, dass sie gesund bleiben in diesen Zeiten – und auch sonst.

13 Kommentare zu „Was hat Corona mit meinem Glauben zu tun?

  1. Bravo, ich kann dir nur beipflichten, in Allem was du sagst. Auch ich reibe mir die Augen vor der Reaktion der Mitmenschen. Ich erwischte neulich eine Freundin an der Kasse des Supermarktes mit drei Großpackungen Klopapier. Es war ihr sichtlich peinlich, aber wir haben es weggelacht. Wir Menschleins sind schon sonderbare Wesen, wenn es an unser „Eingemachtes“ geht. Und auch ich wundere mich über Mehlkäufe. Backen jetzt alle wieder selber Brot oder machen Nudeln selber? Wäre ja nicht das Schlechteste, aber ….ich glaube es nicht. Irgendwann landet es in der Tonne. Ich freue mich über deine Haltung. Da sind wir doch schon zwei, die sich darauf verlassen, das alles so kommt wie es soll. Ich wünsche dir ein besinnliches Wochenende. Maria

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    1. Liebe Maria, vielen Dank für Deine Zustimmung und für Deinen Zuspruch! Ich freue mich sehr, dass „wir schon zwei sind“ ;-) – vielleicht stecken wir ja auch andere noch an mit unserer Haltung! :)
      Ich wünsche Dir eine gute Woche, liebe Grüße an Dich! Farouk

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  2. Ephides schrieb: „…es kann dir nur begegnen, was dir gemäß und was dir dienlich ist. Ich weiß den Tag, da du dein Leid wirst segnen, das dich gelehrt, zu werden, was du bist. “

    Was du geschrieben hast, ist leider wahr. So sind die Menschen, sie haben Angst vor Gott, Tod und Krankheit, weil sie über diese Dinge keine Macht haben. Sie denken, wenn sie genug Klopapier im Haus haben, kann ja nichts mehr passieren. Der Popo bleibt sauber…es trifft sowieso nur andere…oder man ist im falschen Film.

    Ich habe ein ähnliches Problem wie du, bin chronisch krank seit 45 Jahren und es kommt jährlich eine neue ‚Schippe‘ hinzu. Wie Hiob fühlt man sich da, der all das hinnimmt und trotzdem den Glauben nicht verliert. Wir gehen unseren Weg und glauben daran, dass wir auch morgen irgendwie gut versorgt sind.

    Was tun die armen Menschen in den erbärmlichen Flüchtlingslagern…ohne Klopapier und gut gefüllten Lebensmittelgeschäften? Wie lange wird es dauern, bis dort Corona ausbricht?

    Das Zeitgeschehen zeigt sein hässliches Gesicht. Die globale Weltgemeinschaft muss hinnehmen, dass irgendein Volk wieder mal ALLES isst, was sich bewegt…und der Virus macht sich auf den Weg…und der Tod macht alle gleich.

    Liebe Grüße von Gisela

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    1. Liebe Gisela, es tun sich in dieser Zeit wohl viele neue oder alte Gesichter der Menschheit auf. Und Du sprichst einen großen Punkt an, was wird sein mit den Menschen in der Lagern der Geflüchteten. Wie werden wir für sie sorgen? Wird das überhaupt jemand interessieren? Lass uns für sie beten. Und dafür, dass das Gesicht unseres Zeitgeschehens nicht zu hässlich wird.
      Liebe Grüße
      Farouk

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  3. Sehe das genauso wie du: der Glaube hilft mir ruhig zu bleiben. Wir halten uns an die strengen Maßnahmen, die der Staat Italien vorgibt, um andere zu schützen. Meine Standardgrußformel ist inzwischen „bleib(t) gesund“. Das wünsch ich allen. „Bleib vom Virus verschont“ – wär auch eine Möglichkeit, statt dem bisher üblichen „Mach’s gut“.

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  4. Ich finde Euch alle sehr mutig! Ich gebe zu, dass ich Angst habe – nicht so sehr zu erkranken, sondern zu sterben. Mein Partner und ich gehören beide zweifach zur Risikogruppe. Gott gibt auch uns Halt, das hilft schon. Es würde mir nie einfallen, die Lebensmittelgeschäfte zu plündern. Essen gibt es alleweil, darauf können wir uns verlassen. Bleibt alle gesund! Elisa

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    1. Liebe Elisa, ich kann Deine Angst verstehen. Ich wünsche Dir sehr, dass sie nicht zu groß wird und Dich nicht noch mehr belastet, als alles schon genug belastend ist für Dich und Deinen Partner. Und ich wünsche Euch Halt. Es ist gut, dass Gott mit uns ist.
      Liebe Grüße, Farouk

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  5. Ich stimme Dir zu. Im Moment wird ein riesiger Hype um Corona gemacht. Die Menschen sind geradezu ferngeleitete Massen. Die Presse, das Fernsehen, aber auch Filme haben das Denken der Menschen beeinflusst.

    Nichts ist für sie wichtiger als Essen, Trinken und ihr Komfort. Das ein einfaches Leben auch schön sein kann, wissen sie gar nicht. Alles eine Folge von Marketing und Medien. Die Fastenzeit ist eigentlich eine Zeit der Entsagungen. Kein Fleisch, Alkohol, Völlereien. Und ausgerechnet in dieser Zeit haben wir eine Viren Krise. Viele wollen nicht mehr fasten. Sie glauben nicht mehr.

    Täglich bin ich im direkten Kontakt mit vielen Menschen, auch aus dem Ausland. Seit Januar habe ich einen hartnäckigen Husten. Ausgelöst von Pollen und Sporen. Eigentlich habe ich jedes Jahr diesen Husten. Natürlich habe ich dieses Jahr öfters gedacht, dass ich die Corona Grippe habe. Aber nein, bis jetzt war alles Fehlalarm. Ich klopfe jetzt auf meinen Holztisch. Ein Aberglaube, der mich vor Unglück schützen soll.

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    1. Ich danke Dir für Deine Zustimmung! Und Du hast völlig recht, nicht einmal in solch einer Zeit, besinnen wir uns auf das Fasten und Innehalten. Stattdessen schauen „wir“, wie wir möglichst schnell unsere Kühlschränke vollkriegen, noch voller (bzw. besagte Mehlvorräte und Konserven).
      Ich wünsche Dir, dass Du gesund bleibst, natürlich. Und Aberglauben habe ich nicht, aber: ich klopfe – jetzt – für Dich auf meinen Holztisch! :)
      Liebe Grüße, Farouk

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