Ostern ist Ostern – endlich

Foto: Farouk – "Brandung"
Foto: Farouk – „Brandung“

Es ist Karfreitag. Ruhe in der Luft. Ein Tee auf dem Tisch. Ostern kommt. Schön.

Ich kann gar nicht genug ausdrücken, wie sehr ich diese Ruhe genieße. Ich bin schon immer sehr zurückgezogen, sehr für mich, ohne viele Kontakte, in mich gekehrt. Und jetzt, in dieser Zeit, habe ich das Gefühl, es sein zu dürfen. Fast wollte ich schreiben, „diese Neigung ausleben zu dürfen“. Ja, so ist es tatsächlich, es ist wie ein Coming-out. Es ist nicht, dass ich missachte, dass der Mensch ein soziales Wesen ist (und im besten Fall auch hat). Dass ich als Mensch von anderen Menschen abhängig bin, dass das Zusammensein lebensnotwendig für uns Menschen ist. Dass ich dankbar bin für die Menschen, die mit mir sind. Das bin ich nämlich.

Doch für mich sein, Momente haben, die mir Zeit geben für mich – das ist mein Lebenselixier. Und immer sagten sie, „hey, du bist so verschlossen, schließ dich uns doch an, sei doch nicht so ein Loner, du kriegst ja Depressionen, wenn du immer so alleine bist…“ – bla und blupp.

Nun ist die Zeit, wie sie ist. Alles ist leer. So viel ist versperrt. Und wenn ich jetzt genau hinschaue und höre, weil endlich Stille ist – tut sich so viel auf.

Und Ostern fällt nicht aus. Sei nicht traurig, über all das, was wir an diesem Osterfest nicht dürfen. Endlich ist Ostern: Ostern. Endlich ist Ostern nicht nur ein großer Kaffeeklatsch. Und eine – ja, nach Weihnachten haben sie sich auch Ostern einverleibt – kommerzialisierte Konsumveranstaltung.

Und heute ist Karfreitag. Und bald schon ist Ostern. Schön.

7 Kommentare zu „Ostern ist Ostern – endlich

  1. Lieber Farouk,
    ich kann Deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Ich lebe auch sehr zurückgezogen. Wenige Menschen, die ich persönlich kenne, aber die meisten leben weit weg. Die Familie ist größtenteils verstorben. Manchmal kommt ein Einsamkeitsgefühl, aber selten. Ich lausche oft in die Stille hinein. Dort ist sehr viel zu hören. Nichts ist wirklich leer. In der eigenen Innenwelt findet man so manches. – Auch ohne österliches Konsumgeschäft.

    Ich wünsche Dir ein besinnliches Osterfest und viele gute Gedanken! Liebe Grüße von Gisela

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    1. Liebe Gisela,

      vielen lieben Dank für Deine Osterwünsche, die ich in Gedanken bereits am Karfreitag erwidert hatte – ich habe es nur nicht geschafft, Dir schriftlich zu antworten.

      Ja, man findet sehr viel in sich, wenn man sich nur mal die Gelegenheit gibt zu schauen. Wir lernen ja viel für das Leben (den ganzen Kram in der Schule, für unsere Berufe, wie wir uns in der Gesellschaft benehmen und so weiter). Aber wir lernen so wenig darüber, wie wir in uns gehen und uns Fragen stellen und Antworten finden oder spüren. Das hat uns keiner beigebracht (mehr oder weniger vielleicht).

      In diesem Sinne, gut, wenn wir es trotzdem gelernt haben. Glückwunsch an Dich! :)

      Ich wünsche Dir einen schönen Tag!

      Liebe Grüße
      Farouk

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  2. Moin, danke für diese offenen Worte. Ich kenne dieses Gefühl, als introvertierter Mensch „falsch“ zu sein, weil alle Welt mehr auf die extrovertierten steht. Dabei brauchen wir einfach nur unsere Rückzugsräume, in denen wir für uns sind oder auch nicht reden müssen.
    Für mich gab es nie so einen starken Kontrast zwischen Sach- und Personen-orientiert. Ich finde es manchmal schwer, dass oft in diesen Polen gedacht bzw. in Schubladen gesteckt wird. Ich persönlich habe hohes Interesse an anderen Menschen, aber ich lebe das nicht so offensiv. Und meine Kraft ziehe ich mehr aus der Ruhe.
    Aber in den letzten Wochen merke ich, dass mir manche Kontakte und Gespräche fehlen. Gerade für meinen Glauben ist mir der Austausch wichtig. Da gibt es ja die unterschiedlichsten Wege.
    LG

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    1. Moin,
      Danke auch für Deine offenen Worte hier an dieser Stelle. Das ist gut auf den Punkt gebracht, finde ich, wir brauchen „…einfach nur unsere Rückzugsräume, in denen wir für uns sind oder auch nicht reden müssen.“ Das heißt ja nicht, dass diese Introvertiertheit ausdrücken will, „ich will nichts mit euch zu tun haben, ich brauche keine Menschen“.

      Vielleicht ist es tatsächlich das Gegenteil davon und ich (bzw. wir) brauche mehr Zeit und Ruhe um die Eindrücke aus den menschlichen Kontakten im Innern zu sortieren und zu verarbeiten, gerade weil ich (bzw. wir) mir so viele Gedanken darüber mache? Und das wird dann eben in die Schublade gesteckt, „ist-introvertiert“ oder „will-halt-für-sich-bleiben“ oder „lässt-nicht-an-sich-ran“ oder so…

      Ich finde auch, dass die letzten Wochen ganz viel aufzeigen, welche Kontakte mir fehlen und auch in welcher Art und vielleicht auch, warum sie mir fehlen.

      Ich wünsche Dir eine gute Woche!
      LG

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