Langeweile

Foto: Farouk – Wiese der Langeweile

„Wann hast du das letzte Mal Langeweile gehabt?“, fragte ich mich heute Morgen. „Ich meine so richtig! Nich’ so, auf den Bus warten und nebenbei auf’m Handy rumdaddeln, um die Zeit zu vertreiben…“

Nein, ich spreche von echter, qualitativ hochwertiger Langeweile.

Als Kind hatte ich die viel. Mir war oft langweilig. Ich wurde nicht quängelig dabei, so viel kann ich erinnern, aber ich habe schon ziemlich darunter gelitten; so emotional wie man darunter als Kind eben leiden kann, wenn es um „Aushalten“ einer Situation geht.

Bei uns gab es Mittagsruhe. Von „eins bis drei“ war Ruhe angesagt. Sehr strikt. Kein lautes Spielen, keine Ablenkung, kein Fernsehen (zu der Zeit wurde ohnehin nur das Testbild mit unterlegtem Radioprogramm (oder Piepton!!) ausgestrahlt; kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.)

Heutzutage – will sagen, seit ich kein Kind mehr bin, sofern ich das überhaupt von mir behaupten möchte – habe ich eigentlich nie Langeweile. Mir ist nie langweilig. Ich suche mir immer etwas, das ich tun kann. Ob es kochen ist, oder Musikmachen oder Schreiben, so wie jetzt. Und ja, ich gehöre auch zu denen, die ganz schnell auf’s Smartphone gucken und die letzten Schlagzeilen, Mails und Whatsapps checken und und und.

Und das ist wirklich schade, weil Langeweile – so wie die damals als Kind – etwas Wundervolles sein kann. Ich hab’ mir das irgendwie abgewöhnt. Man lebt doch so in unserer Zeit. Immer beschäftigt. Immer einen Plan. Immer etwas, was erledigt werden will.

Was ich in meiner Kindheit mit dieser erzwungenen Langeweile in der Mittagsruhe gelernt habe (das nehme ich zumindest an): Mich kannste zwei Tage lang auf ´ne Wiese oder auf’n Deich setzen – oder auch ganz schlicht auf’n Stuhl zu Hause. Und ich werde da sein, glücklich, zufrieden und mit keinem Gefühl von: „ich muss hier weg, ich halte diese tatenlose Situation nicht mehr aus!“

Das ist irgendwie gut. Ich mache es nur nie. Man bekommt in unserer schnelllebigen Zeit keine Gelegenheit dafür, oder? Und das ist schade.

Langeweile ist ein positives Gefühl; Langeweile ist Geborgenheit – für mich. Interessant. Psychopathologisch werden die Anderen es nennen.

Dagegen halte ich: Burnout und Überlastungs-Depressionen entstehen sicherlich nicht durch zu viel Langeweile im Leben. Oder?

Ich plädiere für mehr Langeweile. Ich wünsche mir mehr Langeweile in meinem Alltag. Ich werde das zu wenig an Langeweile in meinem Leben ändern.

Und ich freu’ mich schon auf die Momente – voller Langeweile.

8 Kommentare zu „Langeweile

  1. Ich schicke Dir eine Kiste prall vollgefüllt mit einer herrlich bunten, blinkenden, blitzenden Langeweile. Kann auch in schnelllebigen Zeiten genossen werden. Am liebsten täglich ein viertel Stündchen und gerne auch länger! Viel Spaß und vielleicht treffen wir uns gelegentlich auf dem Regenbogen!🌈Dort lässt es sich nämlich trefflich langweilen! Regine

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      1. Hört sich irgendwie ziemlich langweilig an 😂. Zum Glück birgt ein Regenbogen viele Überraschungen. Bis dann also und ich wünsche Dir eine sehr kreative Langeweile!

        Gefällt 1 Person

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