Akzeptanz!?

Die Sonne scheint. Ein schöner Tag! Vor ein paar Tagen, genau hier, jedoch auf dem Boden kauernd, denn ich war gerade gestürzt. Gestolpert. Über nichts. Da lag nichts auf dem Boden, war einfach aus dem „Tritt“ gekommen – zack, kawusch, peng-peng.

Sowas passiert mir immer öfter. Bisher bin ich immer glimpflich davongekommen. Denke ich zumindest…aber wenn ich mal die Highlights aufliste:

Beim „Groomen“ vor’m Spiegel rückwärts in die Badewanne gekippt. Glücklicherweise kein Wasser drin, glücklicherweise nicht mit dem Kopf auf die Armaturen.

In der Küche mit voller Brust auf den Einkaufskorb geschmettert, der auf dem Boden stand. Keine Luft mehr, Notaufnahme. Gottseidank kein Bruch, nur Rippenprellungen.

Und kürzlich dieser Sturz, auf den harten Holzboden. Versucht, mich abzustützen, das war zu viel für die Hand. Mittelhandbruch. Glück gehabt, weil nicht mit dem Kopf auf die Bücherregalkante gedonnert. 5 cm dran vorbei.

Das ist wirklich Mist. Ich schreibe das hier so mit einem zwinkernden Auge runter, aber es macht mir doch auch Angst. Denn ich bin ja immer so ganz knapp an Schwerstverletzungen vorbei geschlittert. Solche, die einen zum „Pflegefall“ (schreckliches Wort) machen können. Treue Schutzengel hab’ ich – aber ich kann mich der Verantwortung auch nicht länger entziehen.

Und was steht mir im Weg? Mangelnde Akzeptanz. Ich habe eigentlich ganz viel davon, bilde ich mir ein. Zumindest ist das seit meiner Diagnose meine Baustelle Nr. 1 – mit durchaus großen Fortschritten.

Doch ich brauche mehr davon. Auf einer anderen Ebene. Akzeptieren, was nicht mehr geht, was anders geht, was ich nicht mehr kann – ist ja nur eine Ebene. Schaff’ ich einigermaßen.

Akzeptieren aber, dass ich Hilfe brauche, weil ich’s alleine nicht mehr kann! Dass ich angewiesen bin auf Hilfsmittel, die mich davor schützen schwer zu stürzen! Auf die ich angewiesen sein werde!

Hilfe ungleich Abhängigkeit? Hilfsmittel ungleich Behinderung? Akzeptanz ungleich Schönreden?

Da hab’ ich noch viel zu lernen.

Akzeptieren, was nicht mehr geht? Hinnehmen, wie es ist? Wie machst Du das? Hast Du Strategien?

#ms #akzeptanz #behinderung #hilfsmittel #sturz #hilfe #gedanken #krankheit #farouksfreitag

6 Antworten zu „Akzeptanz!?”.

  1. Mit dem Thema Hilfsmittel muss man erst „schwanger gehen“ und das braucht eben Zeit. Ich bin inzwischen mit einem Rollator unterwegs und schätze die Vorteile.
    Alles Gute !

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  2. Es ist immer so leicht gesagt: Akzeptiere was ist und mach das Beste daraus. Ich kann das mittlerweile nicht mehr hören. Für Dich ist jetzt wohl einfach notwendig, Dich vor weiteren schweren Stürzen zu schützen, ob Du das nun innerlich akzeptierst oder nicht. Mit der Zeit kannst Du Dich vielleicht mit den Hilfen und Hilfsmitteln ja doch noch anfreunden.
    Ich selbst tue mich schwer damit, meine Einschränkungen wirklich zu mögen. Ich übe mich darin, wertzuschätzen, was noch geht und meinen Fokus darauf zu legen.
    Im Moment fällt mir das allerdings auch immer schwerer, weil meine sozialen Kontakte, die ich mir nach der Scheidung aufgebaut hatte, von der Pandemie zunehmend ausgebremst werden. So bin ich viel mehr auf mich bezogen und kann meinen Schmerzen mehr Aufmerksamkeit schenken. Das gefällt mir gar nicht, aber es ist eben so, ob ich das nun akzeptiere oder nicht. Andere Ablenkungen funktionieren zum Glück🍀 noch ganz gut.
    Ich wünsche Dir, dass Dein Schutzengel👼 weiterhin so aufmerksam bleibt! Regine

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  3. Mein Hilfsmittel = Sauerstoff mobiles Gerät hat ein Gewicht von 5kg. Im Moment geht es ohne Probleme mit meinem Rucksack. Sollte es nicht mehr gehen, werde ich einen Trolly nehmen. Wenn’s gar nicht mehr geht, kommt ein Rollator ins Haus.😊

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  4. Lieber Farouk, seit dem Schlaganfall muss ich vieles hinnehmen. Vor allem solltest Du eine gute Unfallversicherung haben, die auch zahlt, wenn Du wegen der Erkrankung oder durch Medikamente hinfällst. Meine zahlt für ein halbes Jahr sogar eine Haushaltshilfe. Man muss lernen, einen oder zwei Gänge rauszunehmen, d. h. langsamer zu werden. Laufen, umdrehen etc. alles langsamer. Wenn es draußen nicht anders geht, nehme ich einen Stock, notfalls Rollator. Anfangs kostete das Überwindung, aber dann war mir das egal. In der Reha hatte fast jeder einen Rollator. Denke an Dich und achte auf Dein Verhalten. Ohne Hilfsmittel geht es irgendwann nicht mehr. Ich wünsche Dir gute Besserung und gute Schutzengel. Liebe Grüße, Gisela

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  5. Es ist mir schwer gefallen am Stock zu gehen. Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich denke, dass es besser aussehen würde, wenn ich schwankend an der Hauswand entlang laufen würde…Natürlich nicht! Ich habe mittlerweile einige schöne bunte Stöcke. Echte Hilfsmittel, die mir Sicherheit schenken. Und ein Achtsamkeitstraining brauche ich dank MS auch nicht, denn ohne Achtsamkeit geht es gar nicht.

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  6. Lieber Farouk,

    Zu akzeptieren, dass man Hilfe oder Hilfsmittel im Alltag braucht, stelle ich mir auch sehr schwer vor. Man möchte ja so leben wie sonst, so leben wie die anderen und man möchte ja auch niemandem Umstände bereiten. 😐
    Aber wahrscheinlich bereitet man seinem Umfeld bereits Umstände, weil sie sich Sorgen machen, wann das nächste Mal was passiert…

    Liebe Grüße
    Kiira

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